Intelligente Anreize statt Zwang: ReCAIcle erforscht nachhaltige KI-Chatbots
Ein Jahr ReCAIcle: 1.181 Dokumente gesichtet, drei Arbeitshypothesen formuliert, Vorstudien durchgeführt und erste Ergebnisse publiziert.

Am 1. Oktober 2024 ist das Forschungsprojekt ReCAIcle offiziell gestartet. Ziel ist es zu untersuchen, wie KI-gestützte Chatbots Menschen dabei unterstützen können, nachhaltige und ressourcenschonende Entscheidungen zu treffen. Dabei sollen nicht Nutzer:innen zu etwas gezwungen werden, sondern herausgefunden werden, wie digitale Assistent:innen gestaltet sein müssen, damit sie Orientierung geben, Vertrauen schaffen und nachhaltiges Verhalten erleichtern können. Insbesondere sollen dadurch Unternehmen und deren Mitarbeitende dabei unterstützt werden, ihre materiellen Ressourcen – wie Firmen-Laptops, Werkzeuge oder Maschinen – bewusster und länger zu nutzen. Dies soll durch digitale Anstöße, sog. Nudges, umgesetzt werden.
Grundlagenarbeit im ersten Halbjahr
Das erste Halbjahr des Projekts stand ganz im Zeichen der Grundlagenarbeit. Im Rahmen des erfolgreich abgeschlossenen Arbeitspakets 1 wurden insgesamt 1.181 relevante Dokumente zur Anwendung von Nudges in Conversational Agents gesichtet, ausgewertet und in eine Datenbank überführt. Diese umfassende Analyse lieferte nicht nur praktische Umsetzungsmethoden, sondern identifizierte auch neue, offene Forschungsfragen. Die Ergebnisse dieser Literaturübersicht und -analyse wurden in einem wissenschaftlichen Beitrag1 zusammengefasst, welcher einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand einschließlich identifizierter Schlüsseltechnologien, Methoden und Anwendungsgebiete von KI-gestützten Conversational Agents bietet und sich derzeit im Review-Prozess für die ECIS 2026 befindet. Ebenfalls in diesem ersten Zeitraum erfolgte der Launch der Projekt-Website.
Empirische Studien im zweiten Halbjahr
Im zweiten Halbjahr des Projekts standen empirische Studien und die Hypothesenbildung im Mittelpunkt. Hierfür wurden im Rahmen des zweiten Arbeitspaketes drei zentrale Arbeitshypothesen formuliert, die sich mit der Wirksamkeit verschiedener Nudge-Typen zur Förderung nachhaltiger Kaufentscheidungen, deren Effizienz und der Gestaltung von Chatbots zur Steigerung des Nutzervertrauens und zur Verhaltensförderung befassen.
Zur Prüfung der Machbarkeit und Validierung der Hypothesen wurden in Kooperation mit der seventhings GmbH und der TU Dresden schließlich Vorstudien durchgeführt. In einer Online-Voruntersuchung2 wurde bspw. untersucht, wie die Gestaltung einer simulierten Chatbot-Interaktion die Wahl der Versandart beeinflussen kann. Im Fokus stand die Frage, ob unterschiedliche psychologische Ansätze, wie etwa soziale Normen im Vergleich zu voreingestellten Standardoptionen, die Entscheidung für einen nachhaltigen Versand effektiver fördern können. Diese Untersuchung wurde im Januar auf der International Marketing Trends Conference 2026 in Berlin im Detail vorgestellt und anschließend publiziert. Weiterhin untersuchte eine quantitative Studie speziell das Chatbot-Design, insbesondere die Vermenschlichung von Chatbots und Marken. Ein zentrales Ergebnis ist, dass die Spendenbereitschaft der Nutzer:innen maßgeblich vom Vertrauen in die Marke abhängt und das Vertrauen in den Chatbot vergleichsweise eine geringere Rolle spielt3. Schließlich zeigte sich in einer weiteren qualitativen Studie, dass die Interaktion der Kund:innen mit KI-Chatbots in verschiedene Phasen unterteilt werden kann. Aus diesen Kundenerfahrungen lassen sich konkrete Best- und Worst-Practices ableiten, die Unternehmen helfen, die Implementierung von Chatbots zu optimieren4.
Darüber hinaus nahm das InnoTeam ReCAIcle an der FutureSAX Innovationskonferenz 2025 teil und veröffentlichte Beiträge auf den Social-Media-Kanälen der TU Dresden56.
Um die gewonnenen theoretischen Erkenntnisse auch praktisch zu erproben, ist für die Zukunft eine enge Zusammenarbeit mit einem Praxispartner geplant, um die Forschungsergebnisse in reale Anwendungsszenarien zu überführen.
Quellen
Footnotes
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Rüger, Theres; Janssen, Ulrike; Eulitz, Laura; Prägert, Johanna; Bellger, Mariam, „How conversational agents guide users: a systematic literature review on nudging strategies and their implementation in conversational agents“ (2026), ECIS 2026. ↩
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Rüger, Theres; Janssen, Ulrike; Ghaheri, Negin; Merres, Sandrine; Schlegel, Vanessa; Schubert, Lukas; Werner, Friederike, „Designing Conversational Agents to Promote Sustainable Behavior“ (2026), IMTC 2026. ↩
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Rüger, Theres; Brendel, Alfred Benedikt; Bellger, Mariam; and Mücksch, Janek, „More Than a Mascot? The Effect of Conversational Mascots on Donations for Nonprofit Organizations“ (2025), ICIS 2025 Proceedings, 11. https://aisel.aisnet.org/icis2025/is_good/is_good/11 ↩
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Kober, Evelina; Rüger, Theres; Siems, Florian Ulrich, „Herausforderungen von KI-Chatbots in Kundeninteraktionen“ (2026), Marketing Review St. Gallen, 2026(1), 42–49. ↩
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https://tu-dresden.de/ing/maschinenwesen/imm/td/forschung/forschungsprojekte/recaicle ↩
